Der Regiotram steht ein Hindernis von 15 Millionen Tonnen Gewicht im Weg

Der Regiotram steht ein Hindernis von 15 Millionen Tonnen Gewicht im Weg

So titeln die Aachener Nachrichten – sehr dramatisch formuliert, natürlich um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Allerdings stellt sich die Frage, wie groß das bautechnische Problem der Halde Anna I tatsächlich ist.

Ich gehe davon aus, dass die Halde kein grundsätzliches Hindernis für die Realisierung darstellt. Natürlich muss sie bei der Trassenplanung berücksichtigt werden. Dass sie deshalb ein unüberwindbares Problem sein soll, erschließt sich mir nicht. Gerade im Randbereich der Halde beziehungsweise entlang des Trassenverlaufs dürften sich Lösungen – etwa durch Stützkonstruktionen oder eine angepasste Trassenführung – realisieren lassen.

Die Schlagzeile erweckt hingegen fast den Eindruck, als würde die 15 Millionen Tonnen schwere Halde unmittelbar auf der Trasse liegen und der Regiotram „im Weg stehen“. Das dürfte der tatsächlichen planerischen Situation kaum gerecht werden.

Mich würde daher die Einschätzung des Regiotram-Projektteams interessieren: Wie wird die Halde Anna I bautechnisch bewertet? Welche Herausforderungen und Lösungsansätze ergeben sich?

Außerdem würde mich interessieren, wie es mit der kürzlich diskutierten möglichen Verlegung der Regiotram-Trasse an der B57 weitergehen soll. Nachdem festgestellt wurde, dass dort ein Steinkauz brütet, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dies auf die Planung hat. Muss die Trasse erneut angepasst werden, oder lassen sich die artenschutzrechtlichen Anforderungen auch mit der bestehenden Planung in Einklang bringen?

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Antwort

Zur Halde: Alles lässt sich technisch lösen. Die Frage ist jedoch mit welchem baulichen Aufwand und welchem Unglücksrisiko die Realisierung einhergeht. Die Halde Anna 1 glüht innen, ist bis in die 60er Jahre hinein locker geschüttet worden und es liegen keine Erkenntnisse über den genauen Inhalt der Halde vor. Daher ist die planerische Unsicherheit hier vergleichsweise groß. 

Voraussichtlich wird für die Trassierung der Regiotram am Südrand der Halde nur der vorgelagerte Haldenfuß in Anspruch genommen werden müssen. Um das Risiko besser abschätzen zu können, werden aktuell geotechnische Berechnungen der Stabilität vorgenommen. Anschließend können wir der Politik in jedem Fall eine Trassenlösung vorschlagen, ggfs. auch mit dem Plan B eines Eingriffs auf der anderen Straßenseite. "Im Weg" in dem Sinne, dass eine Trassenführung unmöglich ist, steht die Halde nicht, dennoch sorgt sie im Eingangsbereich nach Alsdorf für einige Zwangspunkte, die etwas mehr planerischen Gehirnschmalz benötigen.

Davon unabhängig haben wir die Verlagerung der Trasse auf die westliche Seite der B57 vorgeschlagen. Dies folgte vor allem unter technischen Gesichtspunkten. Die Ein- bzw. Ausführung aus den Stadträumen gestaltet sich in Würselen und Alsdorf deutlich einfacher auf der Westseite. Weder sind wie auf der Ostseite in Würselen Gebäude zu umfahren und zukünftig von hinten zu erschließen, noch muss in Alsdorf die B57 gequert oder in die Kreuzung Theordor-Seipp-Straße eingegriffen werden. Auch der Baumbestand im Bereich des Broichtals, der Schleibach und das in Überheide liegende Gehöfft auf der Ostseite sprechen dafür, diese Seite zu vermeiden. 

Der Artenschutz wurde bislang nicht vertieft geprüft. Im Rahmen der Variantenabwägung erhielten wir seitens der unteren Naturschutzbehörde jedoch den Hinweis, dass auch dort die Westlage präferiert würde, da so das Kiebitzrevier im Osten unangetastet bliebe. Hierbei handelt es sich um das letzte Vorkommen in der Städteregion. Aufgrund seiner Ortstreue lässt sich der Kiebitz auch nur schwer umsiedeln, wie wir mit der entsprechenden Anfrage mitgeteilt bekamen. Beides verhält sich beim Steinkautz anders. Zwar ist dieser ebenfalls geschützt, kommt jedoch noch relativ häufig vor und ist auch bereit bei entsprechender Störung andere Nistangebote anzunehmen. Dass der naturschutzrechtliche Aspekt in der Debatte so in den Vordergrund getreten ist, war aus unserer Sicht nicht zu erwarten. Grundsätzlich wird die Frage des Umwelt- und Naturschutzes und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen in der Leistungsphase 3, bei der Regiotram ab etwa Mitte 2027 geplant.

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