FAQ (Frage 3)

FAQ (Frage 3)

Welche Vorteile hat die Regiotram?

Ist es nicht etwas zu euphorisch zu schreiben, dass eine Straßenbahn zwei bis drei Doppelgelenkbusse ersetzen kann? Der ASEAG-Doppelgelenkbus Nr. 235 der Fa. Van Hool hatte 54 Sitzplätze und (beim Transport von 2 Rollstühlen) 121 Stehplätze, insgesamt also 175 Plätze. Die im Abschnitt „Welche Fahrzeuge werden als Regiotram fahren“ genannten Fahrzeugkapazitäten der (zu langen?) Fahrzeuge in Lüttich (372 Plätze) und Luxemburg (450 Pl.) kommen mir sehr hoch vor. Ein Screenshot von der früheren CAF-Webseite zum Luxemburger Fahrzeug weist zwar immerhin eine Gesamtkapazität von 422 Plätzen aus, aber bei den Stehplätzen berechnet mit 6 Personen pro qm (in Deutschland doch wohl üblich: 4 Pers. pro qm!). Es stellt sich natürlich auch die Frage, ob eine sehr hohe Kapazität durch den Verzicht auf allzu viele Sitzplätze erreicht worden ist!

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Antwort

Zunächst: derzeit planen wir mit 45-m-Bahnen, diese sind also mit den Lütticher und Luxemburger Modellen, auch bei velleicht 40 cm Unterschied, gut vergleichbar. Die 450 Plätze bezogen sich auf Angaben aus Presseartikeln, eine vertiefte Prüfung hat nicht stattgefunden. Auch ist durch Ihre Nachfrage ein Fehler aufgefallen, eigentlich wollten wir uns auf Gelenk- und nicht auf Doppelgelenkbusse beziehen, da letztere nicht mehr im Fuhrpark der ASEAG vorhanden sind. Das wird entsprechend geändert, auch wenn die Aussage durch den Fahler nicht falsch wird.

Der Vergleich der Kapazitäten von Bussen und Straßenbahnen ist schwierig, da unterschiedliche Zahlen zirkulieren. Die Anzahl der Stehplätze von Straßenbahnen wird in Deutschland üblicherweise über die verfügbare Fläche berechnet, wobei der Wert von 4 Personen/m² Stehfläche angesetzt wird. Bei Bussen wird sich häufig auf die Herstellerangaben bezogen, die jedoch die erlaubte Zuladung als Maß nehmen und diese durch das durchschnittliche Personengewicht von 80 kg teilen.

Der Doppelgelenkbus war nur mit Ausnahmegenehmigung betreibbar und wurde aufgrund verschiedener technischer Schwierigkeiten aus dem Verkehr gezogen. Dennoch, setzt man die von Ihnen genannten Maße an, ergeben sich ~6,2 Fahrgäste pro m², was vermutlich der Besetzung nach einem Alemanniaspiel (und der Rechnung in Luxemburg) recht nahe kommt. Setzt man auch hier die 4 m²/Person wie im Straßenbahnbereich an (sogenannte Kapazitätsbestimmung nach der VDV-Methode), hat auch der Doppelgelenkbus nur eine Kapazität von 54 Sitzplätzen und 78 Stehplätzen, also 132 Plätze insgesamt.

Insgesamt lässt sich nach allen Rechenspielen festhalten: Setzt man die gleichen Parameter für die Kapazitätsermittlung bei Bus und Tram an, kann eine 45-Meter-Bahn locker zwei- bis dreimal soviele Fahrgäste wie ein Doppelgelenkbus befördern.

Einen guten Überblick zum Thema bietet neben der VDV-Schrift (Richtlinie zur Bestimmung des Fassungsvermögens von Fahrzeugen des Personenverkehrs für statistische Zwecke) auch die Seite zur Wiesbadener Citybahn: https://procitybahn.de/kapazitaet-busmodelle/

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